Was sich liebt das neckt sich? Konflikte und Paarstabilität
Wirken sich Partnerschaftskonflikte per se destabilisierend auf den Fortbestand einer Beziehung aus? Hinsichtlich des Zusammenhangs von Konflikthäufigkeit und Bewertung der Partnerschaft (“Partnerschaftszufriedenheit”) konnten Weiß und Wagner (2007) zeigen, dass dieser wesentlich durch die Art und Weise wie Konflikte geführt werden (nennen wir es “Konfliktverhalten”) moderiert wird. Unsere Analysen zeigen, dass sich der Effekt des Konfliktverhaltens auf die Partnerschaftszufriedenheit — unter Kontrolle eines als positiv bewerteten Konfliktverhaltens — sogar auf Null reduziert. Roloff (1981: 90) beschreibt den (möglichen) funktionalen Charakter von Paarkonflikten anschaulich, wenn er von der Chance „to ‚clear the air’“ spricht.
Sollte die Konflikthäufigkeit überhaupt einen Effekt auf die Partnerschaftsstabilität haben? Folgt man austauschtheoretischen Überlegungen wie von Lewis/Spanier (1979) oder dem Vulnerabilitäts-Stress-Adaptations-Modell von Karney und Bradbury (1995), dann lässt sich kein direkter Zusammenhang annehmen. Stattdessen wird unterstellt, dass Merkmale der Interaktion (d.h. auch Konflikte) zunächst die Qualität der Beziehung beinflussen und diese wiederum die Stabilität der Zweierbeziehung.
Auf der 18. Tagung der Fachgruppe Entwicklungspsychologie habe ich Befunde eines zusammen mit Michael Wagner verfassten Arbeitspapieres [1] präsentiert, das sich mit dem Einfluss von Konflikten auf das Trennungsrisiko von Partnerschaften befasst [2]. Die Analysen basieren auf “gepoolten” Daten des Pairfam Mini-Panels sowie des Kölner Projektes “Paarkonflikte, Kommunikation und die Stabilität von Partnerschaften“. Die Befragung wurde in fünf deutschen Großstädten durchgeführt, nämlich Bremen, Chemnitz, Köln, Mannheim und München. Sämtliche Prädiktoren wurden zu t1 erhoben, während der Trennungsstatus zu t2/t3 erfasst wurde (im Mini-Panel wurden 3 Wellen erhoben, für die Kölner Daten liegen 2 Wellen vor). Die Konflikthäufigkeit wurde mit Hilfe eine Liste von sechs Lebensbereichen[3] in denen Paarkonflikte auftreten können gemessen. Für jeden Lebensbereich wurde erfasst, wie häufig es zu Meinungsverschiedenheiten kommt. Mögliche Antwortkategorien waren: 1 nie; 2 sehr selten; 3 gelegentlich; 4 häufig; 5 sehr häufig. Da die Analyseeinheit Dyaden sind, wurde pro Paar ein Summenindex konstruiert. Weitere Angaben zu Daten & Methoden finden sich in den Folien oder dem erwähnten Arbeitspapier.
Doch zum Schluss noch eine Antwort auf die Ausgangsfrage, ob sich häufig streitende Paare auch häufiger trennen. Betrachtet man die Konfliktverteilung nach dem Trennungsstatus, wie das die nachfolgene Abbildung erlaubt, dann lautet die Antwort “Nein!”. Bis auf Bremen unterscheiden sich die Boxplots für die beiden Gruppen kaum.

[1] Titel des Arbeitspapieres: “Frequency of conflict, conflict behaviour and relationship stability“. Erstmalig beim “5. Meeting of the European Network for the Sociological and Demographic Study of Divorce” vorgestellt
[2] Folien des auf 18. Tagung der Fachgruppe Entwicklungspsychologie gehaltenen Vortrags von Bernd Weiß als PDF-Dokument. Desweiteren gibt es noch Folien eines von Michael Wagner präsentierten Vortrags auf einer Tagung der DGS Sektion Familiensoziologie (PDF).
[3] Die sechs Bereiche sind im Einzelnen: Freizeitgestaltung, Aufteilung der Hausarbeit, finanzielle Dinge, berufliche/schulische Dinge, Sexualität und Freundeskreis.
Literatur:
Lewis, Robert A., und Graham B. Spanier, 1979: Theorizing About the Quality and Stability of Marriage. S. 268-294 in: Wesley R. Burr, Reuben Hill, F. Ivan Nye, und Ira L. Reiss (Hg.): Contemporary Theories About the Family. General Theories/Theoretical Orientations. New York: Free Press.
Karney, Benjamin R., und Thomas N. Bradbury, 1995: The Longitudinal Course of Marital Quality and Stability: A Review of Theory, Method and Research, Psychological Bulletin 118: 3–34.
Roloff, Michael E., 1981: Interpersonal Communication. The Social Exchange Approach. Beverly Hills, London: Sage Publications.
Weiß, Bernd, und Michael Wagner, 2007: Stehen Konflikte einer guten Partnerschaft entgegen? Eine empirische Analyse auf Grundlage dyadischer Daten, Universität zu Köln. (zur Publikation eingereicht und akzeptiert)

